Gespräch mit Kaplan Dr. Gabriel Mapulanga

geführt von PGR Stefan Haderer

 

Stefan: Lieber Gabriel, du bist mittlerweile seit Oktober 2014 hier bei uns im Seelsorgeraum Harzberg tätig. Du hast in unseren Pfarrgebieten die Funktion des Aushilfskaplans eingenommen. Das heißt, du hast – neben deiner Tätigkeit, das Theologiestudium mit dem Doktortitel an der Universität Wien abzuschließen – hier im Seelsorgeraum sowohl in pastoralen als auch in liturgischen Angelegenheiten mitgewirkt. Wie empfindest du rückblickend das pfarrgemeindliche Leben hier in Bad Vöslau, Gainfarn und Großau? Wenn wir die genuine Praxis Jesu etwas näher in den Blick nehmen, wie ist diese im Seelsorgeraum vergegenwärtigt? Wo wird die Botschaft Jesu spürbar? Bereits in den frühchristlichen Gemeinden hatte jede Gemeinde für sich verschiedene Schwerpunkte. Wie wird christliches Leben hier in unserer Pfarrgemeinde spürbar?

 
Gabriel: Ich bin 2014 hierhergekommen. Am 1. November feierte ich meine erste Messe zu Allerseelen. Die ersten Eindrücke waren die vielen Leute bei der Messe. Und sie haben mich dann gleich willkommen geheißen und ich habe mich sofort wohlgefühlt. Viele Leute besuchten die Messe und sie haben mich gegrüßt und alles ist gut gegangen. Dann habe ich mir gedacht, alles ist gut, ich bin und fühle mich willkommen hier. Die Leute sind bereit, mit mir zu leben. Zuvor war ich drei Jahre in Orth an der Donau. Die Struktur, wie sie hier im Seelsorgeraum ist, war nicht so fremd für mich. In Orth an der Donau ist es so wie hier. Nachdem ich von meiner Heimat Sambia nach Österreich gekommen bin, war ich ein Jahr in Wien und danach knapp drei Jahre in Orth an der Donau. Dort gibt es drei Pfarren und fünf Filialkirchen, wir waren zu zweit als Kleriker tätig. Dann bin ich hierhergekommen, und hier gibt es zwei Pfarren und eine Filialkirche. So ist das Leben fast gleich wie in Orth an der Donau.
 
Stefan: In Orth an der Donau arbeiten demnach – wie bei uns – die Pfarren bereits zusammen?
 
Gabriel: Ja, genau. Es gibt dort drei Pfarren und fünf Filialkirchen. Diese sind etwa zwölf Kilometer voneinander entfernt. Nach meiner dortigen Tätigkeit bin ich hierhergekommen, und Pfarrer P. Stephan hat mich herzlichst willkommen geheißen (lächelt).
 
Stefan: Und wie sich in den weiteren Monaten und Jahren herausstellte, konntet ihr auch sichtlich gut zusammen arbeiten.
 
Gabriel: Das Verhältnis zu P. Stephan und mir ist ein sehr gutes. Ich kann sagen, dass er mir ein Freund geworden ist. Wir lachen viel und wir arbeiten gut zusammen. Das Zusammenleben in der Pfarre finde ich sehr gut, das zeigt auch, dass wir Christen sind. Am Anfang waren die Christinnen und Christen immer zusammen. Sie haben zusammen gelebt, zusammen gegessen. Das gemeinschaftliche Leben bedeutet, einander Liebe zu zeigen. Wir sind Kinder Gottes und wir sollen auch zusammen leben und zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind. Für mich ist es nicht fremd, dass zwei oder drei Pfarren zusammenarbeiten. In Sambia, meiner Heimat, da hat diese Zusammenlegung bereits stattgefunden. Wir haben gemeinsam zwei oder drei Pfarren mit mehreren Filialkirchen. Und wir leben so Gemeinschaft.
 
Stefan: Gibt es in Sambia eigentlich einen Priestermangel? In manchen europäischen Ländern gehen mehr Menschen der Berufung des Priesters nach, in manchen weniger. In Österreich haben wir einen Mangel an Priestern. Wie sieht die Situation in Sambia aus?
 
Gabriel: Einen Priestermangel gibt es auch in Sambia. Der Unterschied ist, dass es bei uns nicht nur eine Pfarre und einen Pfarrer gibt, bei uns gibt es immer eine Pfarre mit mehreren Filialkirchen. Das war auch früher schon so. Priester gibt es nicht genug, weil wir so viele Filialkirchen haben. Es gibt in Sambia also auch einen Priestermangel. Aber es gibt auch viel Nachwuchs. Die Priesterseminare sind überfüllt. Es gibt keine Plätze mehr. Viele wollen in das Priesterseminar eintreten, doch es ist nicht ausreichend Platz vorhanden. So verlangen die Bischöfe gute Noten nach der Matura, damit junge Männer in das Priesterseminar eintreten dürfen. Man muss im Unterrichtsfach Englisch zumindest ein Gut haben, auch in Mathematik.
 
Stefan: Man braucht also gute Noten in Mathematik für das Priestertum?
 
Gabriel: Die Bischöfe suchen Kriterien und setzen auch gute Kenntnisse in anderen Fächern voraus.
 
Stefan: Dadurch, dass die Plätze beschränkt sind, gibt es strengere Aufnahmekriterien. Wenn man hier in Österreich an der Universität Wien studiert, bekommt man in den meisten Studienrichtungen an und für sich schnell einen Platz. Anders sieht dies z.B. bei einem Medizin- oder Psychologiestudium aus, denn diese Studienrichtungen sind überlaufen. Die Anzahl der Bewerber ist wesentlich höher als die zur Verfügung stehenden Plätze. Hier muss man Aufnahmeprüfungen voraussetzen. Das ist verständlich.
 
Gabriel: Und so ist es bei uns. Schade ist, dass es auch so viele fähige Menschen gibt, die es leider nicht ins Priesterseminar schaffen, eben aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl. Aber die Bischöfe sagen auch, jemand, der Philosophie oder Theologie studieren kann, ist ein geeigneter Kandidat.
 
Stefan: Ist für die Priesterweihe dann ein fertiges Philosophie- oder Theologiestudium unbedingt erforderlich?
 
Gabriel: Genau, das ist die Voraussetzung. Wir beginnen mit dem Studium der Philosophie noch vor der Theologie. Drei Jahre studiert man in Sambia Philosophie und danach drei Jahre Theologie. Mit dem Priestermangel geht – hier speziell in Österreich – die Pfarrzusammenlegung einher. Die Idee von Entwicklungs- und Seelsorgeräumen finde ich sehr gut. Wenn es einen Priestermangel gibt, ist es nun die Lösung, in größeren Strukturen zusammenzuleben und einen Priester zu haben, der den Menschen seelsorglich entgegenkommt.
 
Stefan: Die Idee, die dahinter steckt, ist etwas absolut Christliches, denn sie stellt den gemeinschaftlichen Aspekt in den Vordergrund. Über die Jahrhunderte sind auch viele Filialkirchen entstanden, und um jede Kirche hat sich eine Gemeinschaft gebildet, mit je eigenen Schwerpunkten. Es ist daher verständlich, dass es schmerzt, sich von etwas Manifestiertem lösen zu müssen zugunsten einer Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Eine gewisse Spannung zwischen den einzelnen Teilgemeinden bleibt spürbar. Es fällt manchen Menschen schwer, sich auf diese Zusammenarbeit der Gemeinden einzulassen. Was ist die Schwierigkeit bei den Menschen, sich für eine größere Gemeinschaft öffnen zu können? Steckt das Festhalten an der Tradition dahinter?
 
Gabriel: Die Tradition spielt hier bestimmt eine Rolle, denn eine Gemeinschaft hat Identität. Die Menschen wollen so bleiben und sie wollen auch nichts verlieren. Manchmal denkt man, dass bei einer möglichen Zusammenlegung die je eigene Identität verloren geht. Die Identität ist sehr wichtig für unser Leben, aber es gibt auch Veränderungen im Leben. Wenn Veränderungen kommen, sollen wir auch ein bisschen umdenken und nachdenken, wie wir ab jetzt leben können. Und es ist auch gut, dass wir diese Identität haben und uns fragen, warum sich manche Menschen auf keine Änderungen einlassen. Wir müssen ihnen zuhören. Sie haben etwas, das sie verteidigen und man muss hören, was diese Leute sagen wollen.
 
Stefan: Du plädierst dafür, dass man den Menschen zuhört und ihre Anliegen ernst nimmt, auch ihre Wünsche und das, was sie verteidigen, damit man vielleicht die Hintergründe kennt, warum sie diese Position vertreten. Meinungen zu äußern und zuzuhören ist ein wichtiger Schritt. Es gilt, ein Verständnis für die Leute zu wecken. Gabriel, du bist in einem Zeitraum des Umbruchs zu uns gekommen. Österreichweit entstehen sogenannte Entwicklungsräume. Das Ziel ist es, Pfarren zusammenzulegen und somit größere Einheiten zu ermöglichen. Hierfür werden die Pfarren vorerst mehr und mehr dazu sensibilisiert, zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2013/14 gab es bei uns einen strukturellen Wandel. In diesem Zeitraum bist du gekommen. Du warst also mittendrin im Geschehen dieser Umstrukturierung. Generell hat man in der Erzdiözese Wien im Jahr 2015 begonnen, die geplanten Entwicklungsräume zu manifestieren. Die Pfarren Bad Vöslau und Gainfarn mit der Filialkirche Großau sind dadurch zu einem Seelsorgeraum – dem Seelsorgeraum Harzberg – geworden. Der Entwicklungsprozess geht von der Erzdiözese Wien aus. Aufgrund des Priestermangels sucht man eine gemeinsame Lösung zu finden, die ein Miteinander fördert. Das momentane Ziel ist es, eine Pfarre NEU entstehen zu lassen, d.h. die Pfarren zusammenzulegen zu einer Pfarre. Setzt man einen andauernden Priestermangel voraus, wird es künftig nicht mehr sein können, dass an jedem Sonntag in jeder Kirche eine Messe stattfindet. Die Pfarren werden angeregt, mehr und mehr zusammenzuarbeiten. Das stellte eine erste Herausforderung im Rahmen dieses Entwicklungsprozesses dar. Es gibt positive und auch negative Beispiele. Ich kenne Pfarrgemeinderatsmitglieder aus Wien, die tun sich sehr schwer damit und bei anderen wiederum funktioniert das ganz gut. Im ländlichen Bereich – wie bei uns – ist das nicht einfach umzusetzen, weil vor allem am Land die Identität mit der Tradition – wie du sagst – verbunden ist.
 
Gabriel: Es ist auch das Gefühl, dass wir etwas Wesentliches verlieren. Wir sind eine Pfarre. Und später nicht mehr eine Pfarre zu sein, ist innerlich oft schwer zu verkraften. Ich meine jetzt konkret die Situation der Pfarren Gainfarn und Bad Vöslau. Bad Vöslau ist eine Stadt mit mehreren Einwohnern und in Gainfarn denkt man, dass man etwas verliert. Wir sind dann künftig nicht mehr eine Pfarre.
 
Stefan: Bad Vöslau ist eine Stadt mit mehreren Einwohnern, flächenmäßig wiederum ist Gainfarn größer mit den vielen Äckern und Wäldern. Aber trotzdem sind da diese Grenzen gezogen. Es ist doch das Tolle, wenn man das Denken vermitteln kann, dass die christlichen Gemeinden doch gar nicht so unterschiedlich sind, weil wir einen gemeinsamen Kern haben. Und der Kern ist unser Glaube an Christus. Es ist der Glaube an die Auferstehung. Und das ist das Gemeinsame, was wir alle miteinander teilen.
 
Gabriel: Ja, genau. Das ist wichtig! Es ist die Grundbotschaft unseres Glaubens. Sie überwindet Grenzen!
 
Stefan: Ich denke, dass es nicht die Lösung ist, sich an Äußerlichkeiten zu verfangen oder an der Oberfläche zu kratzen mit der Fragestellung eines Konkurrenzdenkens, wer wohl der Bessere sei. Vielmehr sollte das christliche Verständnis der Liebe vermittelt werden, welches im Grunde auf ein MITEINANDER hinzielt! Einerseits verlangt die Diözese, dass die Pfarren künftig zusammengelegt werden, andererseits möchten aber die einzelnen Pfarren ihre Identität nicht verlieren. Das ist eine Schwierigkeit, wofür es jetzt kein spezifisches Erfolgsrezept gibt. Das müsste man eigentlich über die Jahre selbst lösen: Ein neues Verständnis wecken! Denn die eigentliche Wurzel, die wir im Glauben haben, ist das Zusammenleben in der Liebe Gottes – wie du erwähnt hast! Einen Pfarrer in drei bis fünf Landpfarren einzusetzen, gibt es seit diesem Entwicklungsprozess nicht selten. Diese Pfarrer haben dann meist als Unterstützung einen Kaplan oder einen Diakon. Bisher haben wir sehr positiv über den Entwicklungsprozess gesprochen. Versuchen wir doch die Situation etwas kritisch zu hinterfragen. Kann das denn nicht auch zu einer Überforderung führen oder ist der Pfarrer dann noch überhaupt im Stande, wenn er schon so viele Leute in mehreren Pfarren um sich hat, für die Menschen zu sorgen? Die Menschen brauchen doch immer eine Ansprechperson, um ihre Sorgen, ihr Leid, ihre Nöte und ihre Anliegen zu vermitteln. Wenn dann ein Pfarrer mehrere Pfarren betreut, kann er dann noch für alle da sein? Kann der Pfarrer da noch den wesentlichen Aufgaben der Seelsorge nachgehen? Oder kann diese Zusammenlegung nur in einer Überforderung der Pfarrer ausarten?
 
Gabriel: Es ist sicherlich zu viel Arbeit für die Priester. In mehreren Pfarren und Filialkirchen Pastorale und Seelsorge für alle zu machen, ist nicht einfach. Wenn es ein Priester allein nicht schaffen kann, was machen wir in solchen Situationen? Dann brauchen wir auch Leute, die keine Priester sind, um mitzuarbeiten und einige Dinge zu tun, sodass – auch wenn der Priester nicht da ist – das christliche Leben spürbar ist. Das brauchen wir. Das ist auch so bei uns in Sambia. Das ist nicht fremd für mich. In Sambia ist ein Priester für drei oder vier Pfarren zuständig. Er ist nicht immer dort, manchmal ist er zwei Monate nicht an einem Ort. Doch die Christinnen und Christen kommen zusammen und sie beten – auch wenn der Priester nicht da ist. Dann, nach zwei Monaten, kommt der Priester wieder und sie feiern mit ihm gemeinsam. Es funktioniert so! Das Leben geht weiter, auch wenn der Priester nicht da ist!
 
Stefan: Wir reden oft von Lebendigkeit. Es ist auch eine Begrifflichkeit, die sinngemäß in der Bibel mehrmals vorzufinden ist. Was heißt lebendige Pfarrgemeinde für dich? Was macht ein lebendiges Pfarrleben aus?
 
Gabriel: Lebendiges Pfarrleben bedeutet Teilnahme an der Gemeinschaft. Alle machen mit. Alle helfen mit. Für mich bedeutet Lebendigkeit auch kleine Gruppen in der Pfarre, die aktiv sind und mit verschiedenen Aufgaben etwas Gutes tun wollen. Leute, die für die Liturgie verantwortlich sind – z.B. der Chor beim Singen. Diese Gruppen sollen sehr lebendig sein. Wie mache ich diese Gruppe lebendig? Zum Beispiel sollte der Priester diese Leute auch immer unterstützen und besuchen. Nicht nur der Chor, auch andere kleine Gruppen gehören gefördert, z.B. die Caritas oder Gebetsgruppen. Man soll hören von den vielen verschiedenen Gruppen, man soll von ihnen wissen, dass es sie gibt, z.B. bei den Verlautbarungen. Es soll verkündet werden, wann sich die einzelnen Gruppen treffen, wann der Chor probt. Die Gruppen sollen vorgestellt werden, es soll gesagt werden, was sie machen, ihr Programm soll bekannt sein. Dann merken die Leute, dass es diese Gruppen gibt. Wenn man nicht von den Gruppen hört, denkt man, dass es diese womöglich gar nicht gibt.
 
Stefan: Es geht dir um die Verkündigung. Die Pfarrgemeinde soll wissen, was sich tut in der Pfarre. Es soll verlautbart werden.
 
Gabriel: Ja. Die Leute sollen wissen, was sich in den Gruppen tut. Aber wenn man nicht von dieser Gruppe spricht, denkt man doch, dass es gar nichts gibt. Und das ist keine Lebendigkeit. Doch im Hintergrund gibt es diese Gruppen bereits. Sie sind ja da. Aber es könnte auch noch mehr geben. Lebendig bedeutet für mich – jetzt im Rahmen der Liturgie – das schöne Feiern. Das passiert allerdings schon! Die Tradition in Österreich mit der Orgel und die Musik ist eine lebendige. Wenn der Chor singt oder wenn bei der Erstkommunion die Band musiziert, sieht man, dass dies lebendig ist! Aber wir sollen ja auch mehr tun, um unsere Feier lebendiger zu machen. Es soll verschiedene Arten von Musik- und Singgruppen geben. Manchmal singen wir mit der Gitarre oder mit anderen Instrumenten. Das macht die Liturgie lebendig. Orgelmusik ist etwas Schönes, aber auch die Teilnahme der Gemeinde beim Singen ist wichtig. Manchmal ist es gut, eine Dirigentin oder einen Dirigenten zu haben. Das hilft zu wissen, was man singt. Sie oder er kündigt an, welche Strophe auf welcher Seite gesungen wird. Dirigieren ist wichtig für die Lebendigkeit!
 
Stefan: Dirigieren ist also ein Leiten im Hinblick auf die Lebendigkeit. Kann ein Priester oder ein Pfarrer auch in diesem Sinne leiten? Wie du das erklärst mit einem Chor, der dirigiert wird oder dem gläubigen Volk, dem die Strophen verkündet werden. Die Dirigentin oder der Dirigent führt Teilbereiche und lässt ein lebendiges musikalisches Werk entstehen – ein harmonisches Ganzes! Wie kann das übertragen werden? Ich sehe das als schönes Bild, übertragen auf einen Pfarrer, der zwei Pfarren zu betreuen hat und beide dirigiert, demnach harmonisch leitet. Kann man das so sehen?
 
Gabriel: Ja, so ist es. Es müssen aber auch die Laien der jeweiligen Pfarren dirigieren. Nicht nur der Priester allein soll dirigieren.
 
Stefan: Für jede Gruppe gibt es auch eine Ansprechperson. Wir haben Kindergruppen wie den KISI-Club – hier zeichnet sich Martina Flachberger verantwortlich, wir haben eine Jugendgruppe – hier zeichnet sich Sr. M. Dominika Czosek verantwortlich, wir haben die Kirchenchöre, die Frauenbewegung, wir haben auch eine Männerbewegungsgruppe. Bei der Männerbewegung könnte man allerdings mehr machen, weil die Gruppe schon so klein ist.
 
Gabriel: Ja, genau. Wir müssen Werbung machen. Wir sollen auch mehr von diesen Gruppen hören und sprechen. Dann wissen wir, dass es lebendig ist! Es passiert ja etwas, diese Gruppen gibt es. Doch wir hören viel zu wenig von ihnen. Es passiert gewissermaßen lediglich im Hintergrund (lächelt). Wir müssten Berichte erstellen, die darüber Auskunft geben, wie viele Mitglieder im Chor sind, wie viele in der Männergruppe sind, wo sie sich treffen u.s.w.
 
Stefan: Lebendigkeit in der Pfarre schließt Laien und Priester mit ein. Mit P. Stephan hast du jetzt knapp vier Jahre zusammengearbeitet. Was kannst du persönlich aus deinem Wirken hier in Österreich – aus den drei Gemeinden, in denen du warst (Wien, Orth an der Donau und hier im Seelsorgeraum Harzberg) – mitnehmen? Gibt es auch neue Erkenntnisse, die durch unsere Pfarren entstanden sind? Was hast du Neues erlebt an unseren Pfarrgemeinden? Jede Gemeinde ist ja auch unterschiedlich strukturiert. Und welche religiös-kulturellen Unterschiede gibt es zwischen Sambia und Österreich? Kultur ist immer auch mit Religion verbunden. Was können wir voneinander lernen? Du hast mir einmal Fotos von der Taufe in Sambia gezeigt, wo sich viele Taufbewerber versammeln und die Kleinkinder nach der Reihe – in einem liebevollen gemeinschaftlichen Akt – getauft werden. In Sambia wird auch getanzt während des Gottesdienstes, es wird zum Rhythmus der Musik geklatscht. Welche Unterschiede von Liturgie und Pfarrleben gibt es in Sambia und Österreich? Was kannst du uns mitgeben?
 
Gabriel: Lernen ist sehr wichtig. In jeder Situation gibt es etwas zu lernen. Ich habe viel gelernt von Österreich. In allen Pfarren, in denen ich gewesen bin, gibt es so viel zu lernen. Die christliche Tradition in Österreich ist älter als jene bei uns in Sambia. Die Leute in Österreich kennen die katholische Tradition mehr als in Sambia. Hier kann man sagen, beten wir das „Gegrüßet seist du, Maria“, und alle beginnen zu beten. In Sambia ist das nicht so. Viele Christinnen und Christen in Sambia kennen das Gebet gar nicht – oder den Rosenkranz: Man kennt das Gebet, aber es ist nicht so verbreitet wie hier. In Österreich sind die Leute sehr verbunden mit der katholischen Kirche. In Sambia gibt es viele Leute, die nicht katholisch sind. Für sie sind die katholischen Gebete fremd. In Österreich – so habe ich den Eindruck – ist dies nicht so. Hier in Österreich kennen auch Personen, die nicht viel mit der Kirche zu tun haben, die großen Gebete der katholischen Kirche.
 
Stefan: Die katholische Tradition sowie auch die moderne Wissenschaft heben das Vater Unser als das wichtigste Gebet hervor, da es in der Bibel – in den Evangelien niedergeschrieben – von Jesus selbst formuliert wurde. Wie ist dieses Gebet in Sambia verbreitet?
 
Gabriel: Das Vater Unser kennt man mehr als das Ave Maria oder das Glaubensbekenntnis. Auch über die Päpste wird in Sambia nicht viel gesprochen. Das Interesse über den Vatikan ist in Österreich größer.
 
Stefan: Das ist interessant! In Österreich ist in der katholischen Kirche ein eher mystisches Denken verbreitet. Der Vatikan wird oft mit dem Geheimnisvollen in Verbindung gebracht. Die prächtigen Kirchenbauten – seien sie gotisch oder barock – stehen im Denken vieler Menschen noch im Zeichen der Mystik. Das unterscheidet auch die katholische Kirche von anderen, wie z.B. von der evangelischen, der protestantischen Kirche. Hier sind die Mystik und das Geheimnisvolle in diesem Ausmaß nicht mehr verbreitet. Es geht verloren. Spürt man das Mystische noch mehr im europäischen Raum? Ist gleichsam das mystische Denken in Sambia nicht so sehr verbreitet? Weihrauch, dunkle Kirchenräume mit Kerzenlichtern – all dies erzeugt mystische Atmosphäre.
 
Gabriel: Es ist ein bisschen anders in Sambia. Manchmal benutzen wir auch Weihrauch, aber es ist nicht immer einfach, guten Weihrauch zu finden. Wir benutzen oft europäischen Weihrauch. Wenn wir ihn zur Verfügung haben, dann verwenden wir ihn auch. Die Kirchen in Sambia sind nicht so schön wie in Österreich. In Österreich haben wir wirklich schöne Kirchen. Ich meine den gotischen und den barocken Stil, aber auch die Neubauten. In Sambia kennen wir die Kerzensymbolik, doch sind Kerzen in der Anschaffung sehr teuer. Das Gefühl ist verbreitet, dass man mit mehreren Kerzen den Altarraum schmückt, doch oft gibt es nur zwei Kerzen im ganzen Kirchenraum, weil sich die Gemeinden keine Kerzen leisten können. In Sambia wird auch anders gefeiert, das Gebet ist dort etwas sehr Lebendiges. Gott wird gelobt durch das Gebet und durch die Bewegung.
 
Stefan: Die Kirchen in Österreich sind oft sehr dunkel, nicht nur jene im gotischen Stil. Doch eigentlich sollte die Kirche die Auferstehung repräsentieren. Etwa die Sagrada Família von Antoni Gaudí in Barcelona drückt genau diese Helligkeit und Freundlichkeit aus. Von allen Seiten scheint durch die vielen Buntglasfenster Licht hinein. Man betritt dort die Kirche und erlebt Auferstehung. In Österreich ist es durch das mystisch verankerte Denken eher eine erdrückende Stimmung in manchen Kirchen, etwa im Stephansdom. Wie kann ich mir Kirchengebäude und die darin stattfindende Lebendigkeit in Sambia vorstellen? Lebendigkeit heißt ja auch zu feiern mit allen Sinnen. Kirchliche Gemeinschaft heißt an den Auferstandenen zu glauben! Man soll sehen können, dass der Glaube gelebt wird. Fronleichnam wäre hier bei uns ein solches Fest, das mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann. Da wird musiziert, gegangen, gesungen, da werden Fahnen getragen, viele Gruppen helfen mit, nehmen teil an der Prozession – es wird gemeinsam gefeiert! Mit allen Sinnen Lebendigkeit erleben, durch die verschiedenen Feierlichkeiten – da ist ein Programmschwerpunkt in Österreich! Die Kerzensymbolik wird bei uns vor allem in der Osternacht, bei der Erstkommunion oder bei Hochzeiten hervorgehoben. Du sagst, dass man einerseits durch die verschiedenen Gruppen Lebendigkeit erleben kann und andererseits auch durch die Feierlichkeit in der Liturgie.
 
Gabriel: Lebendigkeit wird mit Musik, durch die Teilnahme von Bands, die aktive Teilnahme des Volkes ausgedrückt. Die Feierlichkeit soll in der Liturgie ausgedrückt werden. Aber auch außerhalb der liturgischen Feiern, nämlich im Gemeindeleben, im Pfarrleben soll die Gemeinschaft Früchte tragen, indem es viele Gruppen gibt, die etwas an den Menschen bewirken.
 
Stefan: Die Pastorale war auch ein Schwerpunkt im Rahmen deines Diplomstudiums. Wie lange warst du für das Diplomstudium in Österreich?
 
Gabriel: Ich habe bei Prof. Paul Zulehner mein Diplomstudium abgeschlossen. Von 2002 bis 2005 habe ich das Studium gemacht. Philosophie und Theologie habe ich bereits in Sambia abgeschlossen. Ich habe nach sechs Jahren meinen Bachelor in Sambia absolviert. Dann bin ich nach Wien gekommen, um bei Prof. Paul Zulehner in der Praktischen Theologie mein Diplomstudium abzuschließen. Danach bin ich wieder für ein paar Jahre zurück nach Sambia gegangen. Und dann bin ich wieder für meine Doktorarbeit nach Österreich zurückgekommen.
 
Stefan: Was hast du bei deiner Diplomarbeit analysiert?
 
Gabriel: Ich habe ein Pastoralkonzept für meine Diözese in Ndola erstellt. Das habe ich bei Prof. Zulehner gemacht. Mein Schwerpunkt war die Pastoralarbeit.
 
Stefan: Jetzt hast du bei Frau Prof. Gabriel promoviert.
 
Gabriel: Genau, und zwar im Fach Sozialethik. Ich habe über die Armutsbekämpfung geschrieben, was die katholische Kirche dagegen macht, was die Wirtschaft und der Staat unternehmen und auch was die Pfingstkirche tut. Ich habe generell über die Armutsbekämpfung in Sambia geschrieben.
 
Stefan: Ist die Pfingstkirche so groß in Sambia?
 
Gabriel: Die Pfingstkirche ist sehr groß in Sambia. In Österreich ist die Pfingstkirche nicht so verbreitet. Die Pfingstkirche kann man eher als Sekte beschreiben. In meiner Arbeit habe ich die katholische Kirche und die Pfingstkirche analysiert, was sie gegen die Armutsbekämpfung unternehmen. Die katholische Kirche geht dem Grundsatz einer Option für die Armen nach. Sie macht viel für die Armen. Bei der Pfingstkirche ist das nicht so. Die Pfingstkirche spricht vom Wohlstand.
 
Stefan: Was meint die Pfingstkirche mit dem Wohlstand konkret?
 
Gabriel: Die katholische Kirche steht für die Armen. Die Armen sind willkommen. Die Armen sind auch Kinder Gottes. Die Armen werden auch durch karitative Tätigkeiten unterstützt. Auch Gerechtigkeit spielt hier eine Rolle. Die Pfingstkirche ist für den allgemeinen Wohlstand. Sie sagt, wenn du arm bist, bist du nicht gläubig, denn dann bist du arm. Sie sagt, wenn du gläubig bist, wirst du Wohlstand haben. Ich habe beide Kirchen auch kritisch analysiert und verglichen. Die Pfingstkirchen sagen, wenn man arbeitet, aber man nicht investiert, wenn man wenig Geld hat, wenn man Alkohol im Übermaß trinkt, wenn man nichts für die Familie macht, dann wird die Familie arm. Wenn man nicht investiert, wird man arm. Aber wenn man gläubig ist, dann ist es besser, denn dann ist man nicht arm. Der Glaube ruft Wohlstand hervor. Die Pfingstkirche sagt: Gott sagt in der Bibel, dass gläubige Menschen Wohlstand haben. Wenn man glaubt, wird man alles haben. Man beruft sich auf Texte der Bibel, die diesen Gedanken unterstützen.
 
Stefan: Zum Abschluss möchte ich dich fragen: Was hat dich denn ganz persönlich bewegt in unserer Pfarre? Welche schönen Momente hast du erlebt, die dir mit Sicherheit lange in Erinnerung bleiben werden? Was hat dich berührt in den Jahren, in denen du jetzt da warst?
 
Gabriel: Ich habe schöne Erfahrungen hier in Bad Vöslau, Gainfarn und Großau gesammelt. Die Leute haben mich angenommen. Das spüre ich. Nicht nur von der Kirche, sondern auch seitens der Politik, der Stadtgemeinde. Ich fühle mich sehr, sehr wohl. Ich fühle mich aufgenommen. Etwas hat mich besonders bewegt: Meine Mutter ist gestorben und zur Messe am Mittwoch ist P. Stephan gekommen und er hat gesagt, dass wir eine Messe für meine Mutter halten. Und die Leute waren da und die Klosterschwestern. Und es war so bewegend für mich. In der Messe habe ich geweint. Mich hat bewegt, dass auch P. Stephan geweint hat, und die Schwestern und ein paar andere Leute auch, die in der Messe da waren. Das hat mich sehr bewegt!
 
Stefan: Das ist ein sehr berührender Moment, der auch den gemeinschaftlichen Zusammenhalt oder vielmehr die gemeinschaftliche Verbundenheit hervorruft – das Zusammenwirken!
 
Gabriel: Genau. Und wie ich anfangs sagte, sind viele Leute hier so freundlich zu mir. Nicht nur in der Messe, auch auf der Straße: Wir sprechen, wir lachen. Mit P. Stephan lache ich auch sehr viel (lächelt). Die Herz-Jesu-Schwestern laden mich am Wochenende immer zum Mittagessen ein. Ich fühle mich auch mit dieser Gemeinschaft sehr verbunden. Zusammen zu essen ist wichtig. Überall habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich möchte aber auch etwas über Begräbnisse sagen. Ich finde es sehr gut, wenn viele Leute kommen und die Familie begleiten. Ich sehe das sehr oft bei Begräbnissen, dass die Leute kommen mit ihrer Familie, mit ihren Angehörigen. Beim Begräbnis ist es auch so, dass man unseren Glauben vermitteln kann. Wir sind als Priester auch für diese Familien da.
 
Stefan: Im Trauergespräch zum Beispiel?
 
Gabriel: Ja, genau, aber auch, wenn wir beim Begräbnis für sie da sind. Für die Priester ist auch die Pastorale für die Pfarre eine wesentliche Aufgabe.
 
Stefan: Das Füreinander-Dasein ist wichtig in allen Lebensabschnitten. In Erinnerung ist mir hier die Feier deines 50. Geburtstages am 31. Mai 2017 geblieben. Geburtstag hast du am 1. Juni.
 
Gabriel: Ja, hier sind so viele Leute gekommen. Ich war so glücklich und es war so berührend.
 
Stefan: Da hast du in deiner Geburtstagsrede ausgedrückt, dass du dich hier in unseren Pfarrgemeinden sehr wohl fühlst und die Menschen um dich wie eine Familie für dich sind. Fällt dir das jetzt nicht schwer, dass du im Sommer endgültig zurück nach Sambia musst? Anfangs hieß es, dass du bereits im November 2017 abreisen musst. Wie ist diese Verzögerung entstanden?
 
Gabriel: Ich bin gewohnt, auch hier zu leben und ich habe fast ein neues Leben hier gehabt. Und ich fühle mich wohl. Und jetzt wegzugehen tut weh. Es tut wirklich weh. Aber warum muss ich auch weggehen? Es ist so: Mein Bischof – Bischof Alick Banda – hat mich nach Österreich geschickt und mir die Erlaubnis gegeben, dass ich mein Doktorratsstudium in Wien machen darf, im Auftrag der Diözese Ndola. Während ich studierte, durfte ich im Umkreis eben auch den Gemeinden helfen. Das finde ich sehr gut. So möchte ich aber auch zurückgehen in meine Heimatdiözese Ndola und weitergeben, was ich in Wien studiert habe.
 
Stefan: Du möchtest dein Wissen, das du durch das Studium in Wien erworben hast sowie auch deine Praxis aus dem Leben in den Pfarren weitergeben.
 
Gabriel: Ganz genau. Das andere ist, dass ich sehr gut hier lebe. Ich wohne hier im Pfarrhof Gainfarn, aber andere Menschen – z.B. in Sambia – leben nicht so gut wie ich. Ich muss zurück nachhause. Wenn ich in Österreich bleibe, kann ich den Leuten in den armen Gebieten Sambias nicht helfen. Viele Menschen haben dort große Schwierigkeiten.
 
Stefan: Du lebst hier relativ gut. Dich treibt aber die Armut in Sambia zurück nachhause, damit du helfen kannst.
 
Gabriel: In Sambia gibt es die Armut. Dort muss ich sein. Ich kann nicht nur sagen, ich habe jetzt alles gefunden und bleibe hier, gehe nicht zurück. Das möchte ich nicht. Ich wurde vom Bischof geschickt und hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich jetzt nicht zurückgehe. Und was die Verzögerung betrifft: Das Warten war sehr lange. Anfangs sollte ich schon im November 2017 gehen. Es dauerte dann lange. Bis jetzt: Ich bin ja noch da (lächelt)! Bis Juli noch. Das hat mit der Universität zu tun. Ich dachte, dass ich meine Arbeit Ende des letzten Jahres abschließen kann. Das war nicht so. Ich musste meine Arbeit einigen Korrekturarbeiten unterziehen und feilte daran weitere Monate. Meine zuständige Professorin hat meine Arbeit gründlich durchgelesen, auch das hat Zeit in Anspruch genommen. Aber das Warten hat sich gelohnt! Ich habe das Rigorosum mit einem Einser – mit einer Auszeichnung – abgeschlossen! Das wollte ich unbedingt (lacht)! Die beiden Begutachter meiner Dissertation haben die Arbeit mit einem Gut beurteilt und letzten Endes – bei der Abschlussprüfung – wurde ich mit einer Eins benotet!
 
Stefan: Die Arbeiten haben drei Professoren gelesen. Zwei haben ein Gutachten erstellen müssen. Diese haben deine Arbeit beide mit einem Gut bewertet. Und jetzt beim Rigorosum hast du eine Eins bekommen!
 
Gabriel: Das Rigorosum bringt die entscheidende Note hervor. Es ist die Abschlussprüfung! Ich habe mit voller Energie gesprochen. Ich weiß ganz genau, worüber ich geredet habe, denn es war mein Fachgebiet. Ich war konzentriert und habe die Fragen gut beantwortet. Dann habe ich eine Eins bekommen (lacht)!
 
Stefan: Du hast deine Arbeit und deine Prüfung in englischer Sprache abgehandelt?
 
Gabriel: Genau, in englischer Sprache. Ich freue mich sehr über die sehr gute Note (lacht)! Meine zuständige Professorin – Prof. Ingeborg Gabriel – hat mich gut begleitet und unterstützt. Zum Schluss war meine Arbeit gut strukturiert und gut geordnet.
 
Stefan: Jetzt ist es bald soweit. Du wirst uns leider im Juli 2018 verlassen. Der Bischof deiner Diözese beordert dich nach Beendigung des Studiums zurück nach Sambia. Wie sehen deine Zukunftspläne als Dr. Gabriel Mapulanga aus? Welche Pfarrgemeinde wirst du betreuen? Wirst du an einer Universität oder Hochschule lehren?
 
Gabriel: Ich habe schon grobe Pläne. Ich möchte gerne an der Katholischen Universität in Ndola im Forschungsbereich tätig sein. Da ich in einem sozialethischen Fachbereich promoviert habe, interessieren mich besonders die Bereiche der Forschungsmethodik, der Sozialethik und der Nachhaltigkeit. Wenn ich eine Möglichkeit bekäme, dort zu unterrichten, würde ich mich freuen. Ich wäre aber auch gerne in der Pfarre tätig. Wenn mein Bischof dies von mir verlangt, die Tätigkeit des Pfarrers oder des Kaplans einzunehmen, bin ich dafür bereit. Ich möchte auch an der Universität lehren, als Priester tätig sein und mich auch für Sozialprojekte einsetzen – besonders im Bereich der Wasserversorgung und für den Brunnenbau. Ich möchte auch am Bau eines Tanks für kleine arme Gemeinden mitwirken. Ich möchte bei Sozialprojekten mithelfen, die auch von der katholischen Kirche unterstützt werden. Im Gesamten würde ich gerne das Praktische und das Theoretische in ein Gleichgewicht bringen.
 
Stefan: Lieber Gabriel, ich bedanke mich vielmals für die nette Zusammenkunft und das Interview und bin gewillt zu sagen – mit Sicherheit auch im Namen der Pfarrgemeinde –, dass wir dich vermissen werden. Du hast eine Freude in unsere Gemeinden hineingebracht – eine positive und fröhliche Ausstrahlung, ein authentisches Lächeln –, du hast mit deiner brüderlichen und schwesterlichen Botschaft, die du in deinen Predigten vermittelt hast, den Leuten Kraft im Glauben geschenkt – all das hat fruchtbar gewirkt, eine lebendige Pfarrgemeinde in einer Umbruchsituation aufzubauen – vor allem im ländlichen Bereich wie unserem ist dies nicht immer einfach. Deine Geschwisterlichkeit und Menschennähe, die du vermittelt hast, wird mit Sicherheit in unserem Seelsorgeraum sehr positiv nachwirken!
 
WIR DANKEN DIR FÜR DEIN DASEIN UND FÜR ALL DEINE TÄTIGKEITEN
UND WÜNSCHEN DIR ALLES ERDENKLICH GUTE
FÜR DEINEN WEITEREN LEBENSWEG!